Eine Posse und die Macht freier Daten

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An der neuen Rathaushaltestelle hängt ein Stadtplan aus vergangenen Zeiten: Der Landtagsneubau, das Potsdamer Stadtschloss ist dort noch in Planung.
Diese, eigentlich unbedeutende Tatsache, wird nicht ohne Häme durch die lokale Presse aufgegriffen(MAZ) und zeigt wie selbstverständlich wir noch in der Zeit vor dem Internet feststecken.

Warum also hängt die Stadt einen uralten Plan auf, wo doch Wikipedia den neuen Landtagsbau kennt, Google und Flickr zahlreiche Bilder bereithalten, man auf Foursquare dort einchecken kann und selbstverständlich auch das OpenStreetMap Projekt (OSM) für Potsdam topaktuelle Karten in freien und offenen Lizenzen führt? Auch Bing, Yahoo und Google bieten Einblick in ihr Kartenmaterial, aber das OSM Material ist anders. Bing und Google sind vergleichbar mit dem Brockhaus, die OSM-Daten mit der Wikipedia. Die Lizenzen zur Nutzung von OSM GPS-Daten und Karten sind für alle frei und kostenlos möglich. Die Kartendaten werden gemeinschaftlich gepflegt und aktualisiert. Insbesondere im städtischen Bereich sind die OSM Karten den kommerziellen oft in Detailtreue und Aktualität weit überlegen.

Freie Daten als Retter in der Not und zur Inklusion im Alltag

Nach dem Erdebeben in Haiti im Januar 2010 legte die OSM-Community sogleich los und erfasste die zur Koordinierung der Rettungsmaßnahmen so wichtigen Kartendaten, ergänzte und erweiterte das Material um die vorgefundenen Schäden und ermöglichte den Rettungskräften die Einsatzplanung. Auch die Militärs und Hilfsorganisationen griffen auf das Material zurück und erweiterten es um die eigens erhobenen Daten.

Ein weiteres besonderes Beispiel für den Nutzen freier Kartendaten ist das Projekt WheelMap, in welchem die Barrierefreiheit von Orten vermerkt wird, um so Menschen mit Gehbehinderungen die vorherige Planung ihrer Reisen zu ermöglichen, Barrieren frühzeitig erkennen (und idealerweise beseitigen) zu können, um ihnen damit ein Stück mehr (Bewegungs-) Freiheit zu ermöglichen.

Wenn also heute, im Zeitalter mobiler Computer (Smartphones) mit Geolokalisierung und defacto Standleitung zum Internet, Staat und Bürger wie selbstverständlich auf veraltetes und überholtes Kartenmaterial zurückgreifen, ist das ein Beispiel dafür, warum es die PIRATEN zumindest als Ideengeber im gesellschaftlichen Diskurs dringend braucht.

Die Posse um die Bushaltestelle mit dem veralteten Stadtplan zeigt doch, wie unbeholfen wir uns gesellschaftlich noch im Neuland bewegen. In der Welt des freien Wissens, der Informationsfreiheit und freier Lizenzen wünschen wir uns einen Staat, der eben genau diese Möglichkeiten einsetzt und fördert, zum Nutzen aller Menschen.

Öffentliche Daten nutzen, Private Daten schützen!

Dieses Prinzip hat nichts mit der uns oftmals vorgeworfenen Kostenloskultur zu tun, wir sehen den Wert in partizipativen, kollaborativen und frei zugänglichen Informationen. Insbesondere der Staat ist eine Stelle mit enormem Datenbeständen, die bisher weitestgehend brach liegen, jedenfalls aber für die allermeisten Menschen unzugänglich sind.

Der Staat und seine Verwaltung sollte seinen Informationsschatz der Gemeinschafft zur Verfügung stellen, sich freien Projekte anschließen und zu Ihnen beitragen.

Als junge Partei, die zum ersten Mal zur Landtagswahl in Brandenburg antritt, haben wir sicher auch noch viel zu lernen. Wir haben aber auch jetzt schon eine Menge Ideen und Lösungsvorschläge die von den bisher betretenen Pfaden abweichen. Wir sind davon überzeugt unserem gesellschaftlichen Zusammenleben wichtige Impulse geben und alternative Herangehensweisen an Probleme anbieten zu können. Unser Wissen fußt auf Erfahrungen, die wir teilweise seit den frühen 90er Jahren im globalen Datennetz gesammelt haben.

Projekte wie OpenStreetMap, Wikipedia aber auch Softwareprojekte wie Firefox oder Linux zeigen dass eine Welt der Teilhabe, Offenheit und Freiheit von Informationen möglich sind. Die Vernetzung bietet, neben dem ganzen Schrecken, den die unkontrollierten Aktionen unserer Geheimdienste verbreiten, auch immense positive Seiten.

Diese positive Seite der Piratenidee zu vermitteln, ist eben nicht in ein zwei „Politiksprech“-Schlagworten zu bewerben. Hinter den – gerade in Wahlkampfzeiten – oft als hohle Schlagworte wirkenden Begriffen wie „Teilhabe, Informationsfreiheit, Datenschutz und Transparenz“ finden sich bei uns zahllose konkrete und abstrakte Ideen, wie wir unser Zusammenleben in diesem Land für alle besser gestalten wollen.

Wenn Sie uns am 14. September Ihre Stimme geben, erhalten unsere Ideen und Vorschläge mehr Aufmerksamkeit. Wäre das nicht auch in Ihrem Interesse?

In jedem Falle bitte ich Sie, an der Wahl teilzunehmen. Lassen wir in Brandenburg die peinlich gestrigen Stimmen, wie sie in Sachsen durch die Wahl schon allein wegen der äußert geringen Wahlbeteiligung lauter wurden, nicht auch in Brandenburg erstarken.


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Torben Reichert

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Torben Reichert (32) aus Potsdam ist Student der Rechtswissenschaften an der Universität Potsdam. Nebenbei arbeitet er im Bereich IT-Support. Seit zwei Jahren im Stadtvorstand der Piratenpartei Potsdam aktiv und thematisch vor allem in netz- und gesellschaftspolitischen Themen interessiert.

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